Die Situation in den Geflüchtetenlagern

Die Situation in den Geflüchtetenlagern

Wir sind Queers4Evacuation. Wir sind über 250 queere Kollektive, Institutionen und Einzelpersonen, die die Forderungen geflüchteter Menschen in Deutschland und an der EU-Außengrenze unterstützen.
Gerade weil viele von uns als queere Menschen Erfahrungen von Gewalt und Diskriminierung machen mussten und weil wir wissen, wie es ist die eigenen Rechte erkämpfen zu müssen, stehen wir an dieser Stelle für Solidarität ein. Solidarität ist für uns universal. Sie hört weder an den deutschen noch an den europäischen Grenzen auf. Sie endet nicht bei der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung. Wir wollen konkret unsere Solidarität mit geflüchteten Menschen und Menschen auf der Flucht ausdrücken. Wir fordern sichere Fluchtwege und eine menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten.

An den europäischen Außengrenzen ereignet sich derzeit eine humanitäre Katastrophe. Die Situation in den Geflüchtetenlagern war schon menschenunwürdig bevor mit Corona eine globale Pandemie ausbrach. Jetzt droht die Situation endgültig zu eskalieren. Exemplarisch dafür steht das Lager Moria auf Lesbos. Eigentlich für nur 2840 Menschen ausgelegt, übersteigt die derzeitige Belegung des Lagers mit mehr als 20.000 Menschen die Kapazitäten um ein Vielfaches. Seit Jahren werden Flüchtende dort festgehalten und ihr Recht auf Asyl faktisch verwehrt. Abstandhalten ist in dieser Situation nicht möglich. Die Gesundheitsversorgung ist desolat. Die Ignoranz der europäischen Staaten ist beschämend, nicht zuletzt deshalb, weil die Politik der EU diese Zustände wesentlich mit zu verantworten hat.
Praktisch wäre es möglich, die Menschen unverzüglich in Sicherheit zu bringen: Zahlreiche Kommunen in Deutschland und europaweit haben ihre Bereitschaft zur Aufnahme der Geflüchteten
signalisiert. Es liegt also nicht an einem Mangel an Möglichkeiten, sondern einem mangelnden Willen. Die Erhaltung der Menschenrechte ist aber keine Frage der Laune, sondern eine Pflicht. Die Evakuierung von 47 Jugendlichen kann nicht mehr als ein Anfang sein.

Aber auch in den Sammelunterkünften in Deutschland ist die Situation unerträglich. Auf engstem Raum ist es kaum möglich, einfache Abstands‐ und Hygienemaßnahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion einzuhalten. Es gibt keinen regulären Zugang zum Gesundheitssystem. Mehrere Lager wurden bereits komplett unter Quarantäne gestellt. Die dort lebenden Menschen sind schlecht informiert und werden unter widrigen Bedingungen eingesperrt. All dies führt zu berechtigter Angst. Es gibt bereits mehrere Unterkünfte, in denen sich mehr als die Hälfte aller Bewohner*innen mit dem Virus angesteckt hat. Im Ankerzentrum in Geldersheim kosteten diese Zustände schon ein Menschenleben. Die Stadt Potsdam hat daraus Konsequenzen gezogen und beschlossen, Sammelunterkünfte abzuschaffen. Damit steht sie bislang alleine da. Dass noch nicht mehr Städte und Kommunen diesen Schritt gegangen sind, ist ein Skandal!

Die menschenunwürdige Situation, in der Geflüchtete an Europas Grenzen und in deutschen Sammelunterkünften leben, trifft gerade queere Menschen besonders hart. Häufig waren sie schon vorher sozial isoliert und Übergriffen ausgesetzt, durch Corona verschärft sich die Situation noch. Genauso solidarisch erklären wir uns mit nicht-queeren geflüchteten/flüchtenden oder migrierenden
Menschen. Wir sind überzeugt davon, dass queere Politik verschwestert sein muss mit anderen Kämpfen für Selbstbestimmung. Queere Politik muss intersektional und antirassistisch sein.

Es ist höchste Zeit zu handeln, bevor es zu spät ist!
Wir fordern die sofortige Evakuierung der griechischen Lager!
Wir fordern die

dezentrale Unterbringung von Geflüchteten in Deutschland!
Wir fordern den uneingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem für alle Menschen!
Wir fordern die Gewährleistung des Grundrechts auf Asyl sowie sichere Fluchtwege!
Wir fordern ein menschenwürdiges Leben für alle!

Das dürfen aber keine Lippenbekenntnisse bleiben. Wir müssen unsere Ansprüche und Forderungen auch in die Praxis umsetzen! Das geht zum Beispiel, indem wir unsere Ressourcen und unseren
Einfluss teilen. Indem geflüchtete Queers bei queerer Politik grundsätzlich mitgedacht werden. Wir wollen es nicht bei einem Redebeitrag belassen, sondern unsere Ansprüche und Forderungen auch
selbst umsetzen! Macht mit und organisiert euch! Erste Ideen findet ihr unter anderem auch auf unserer Website queers4evacuation.net
Wir dürfen in unserer Gesellscahft niemanden zurücklassen! Vor allem nicht in einer globalen Krise!

Mehr informationen zu Queers4Evacuation:
https://www.queer.de/detail.php?article_id=36402